Das Glück des Tüchtigen

Ein Team, zwei Meister und der Beweis, dass im Motorsport die gleichen Regeln wie in der Wirtschaft gelten. Am Schluss stehen die Fleißigen an der Spitze.

Beppo Harrach und ich haben gemeinsam in der Rallye ÖM 2011 gleich zwei Titel geholt.

Man schrieb das Jahr 1999. Ich startete gerade gemeinsam mit der Aleksandra eine Computerwerkstatt im 20. Bezirk in Wien und setzte damit die ersten Schritte in mein Berufsleben, während Beppo Harrach zur gleichen Zeit im niederösterreichischen Bruckneudorf erstmals auf die Suche nach der Ideallinie war,  um in die Fußstapfen seines erfolgreichen Vaters (Rallye Staatsmeister 1990) zu treten.

Kennengelernt haben wir einander erst sehr viel später. Zu einem Zeitpunkt, als es mir erstmals möglich war, das mittlerweile aufgebaute Unternehmen zumindest an Feiertagen zu verlassen, um meiner Leidenschaft, dem Motorsport nachzugehen. Das passende Angebot dafür hielt Beppo Harrach mit seiner damals gerade am Start stehenden DriftCompany bereit. Als wir uns dabei erstmals begegneten kam es zu einem Zusammentreffen zweier Menschen, deren Gemeinsamkeiten Zielstrebigkeit und die Freude am Motorsport waren. Diese Gemeinsamkeiten verbanden uns von der ersten Lehrstunde an.

Unser erster gemeinsamer Auftritt, nachdem wir uns bei vielen Trainings schätzen und respektieren gelernt hatten, erfolgte aber erst am 15. März 2010. Das DiTech Racing Team rollte im Rahmen eines kurzfristig angekündigten Presseauftritts an den Start. Unser Ziel lautete, mit einem kleinen Budget Achtungserfolge in der heimischen Rallyestaatsmeisterschaft einzufahren und damit im Prinzip die DiTech-Idee – als Kleiner mit maximalem Einsatz die Großen herauszufordern – künftig auch in den Schotter zu schreiben und somit für Werbeeffekte, von denen wir beide profitieren würden, zu sorgen. Unser gemeinsames Engagement hat zuvor schon die Firma Caramba überzeugt, die im neu gegründeten DiTech Racing Team eine Chance sah, ihre Produkte effizient zu bewerben und als Sponsor einen Anteil an der Realisierung von DiTech Racing hatte und bis heute hat.

Um einerseits stets an vorderster Front mit dabei zu sein und andererseits die wenig vorhandene Freizeit bestmöglich zu nützen, entschied ich mich recht bald dazu, bei einzelnen Läufen selbst hinter dem Steuer Platz zu nehmen. Als Arbeitsgerät wählte ich dabei einen kleinen Suzuki Swift Sport 1600, während Beppo fortan mit einem gebrauchten Gruppe N Mitsubishi EVO IX fuhr.

Es gelang uns, die Herzen der Fans schnell für uns zu gewinnen. Während ich es schaffte, den ohnedies schon recht kompakten Suzuki immer wieder noch kompakter zu machen, begann Beppo, die erste Rallye-Liga und im Besonderen den damaligen Serienstaatsmeister mit Topzeiten auf einzelnen Sonderprüfungen zu ärgern. Im Schneebergland (Sommer 2010) hätte es dann eigentlich zum ersten großen gemeinsamen Erfolg kommen sollen. Ich brannte mit meinem Suzuki die besten Zeiten meiner Klasse in den groben Schotter und Beppo war drauf und dran, den ersten Meisterschaftslauf nach seinem Comeback zu gewinnen. Eine überaus harte Zeitstrafe für einen versehentlich an einer falschen Stelle durchgeführten Reifenwechsel machte die Chance auf den ersten Sieg von Beppo allerdings zunichte. Dass es noch viel schlimmer werden sollte, ahnte er zum damaligen Zeitpunkt nicht. Erst, als man ihm im Waldviertel den ehrlich eingefahrenen Vizemeister-Titel aufgrund einer falschen Benzinpumpe (sie entsprach exakt dem vorgegebenen Teil, kam jedoch von einem anderen Hersteller) aberkannte, realisierte er ebenso wie ich, mit welch harten Bandagen der Mitbewerb gegen unsere Erfolge ankämpfte beziehungsweise ankämpfen musste, um die erfolglos eingesetzten Budgets zu rechtfertigen.

Angriff war für Beppo und mich aber schon immer die beste Verteidigung. Gemeinsam mit Caramba und der Unterstützung der Medien entschieden wir uns noch zum Jahresausklang 2010 dazu im nächsten Jahr Nägel mit Köpfen zu machen. Der Staatsmeistertitel geisterte erstmals durch den Raum.

Was folgte, war ein Triumphzug durch die heimische Rallyestaatsmeisterschaft. Den Sieg beim ersten Lauf 2011 erklärte sich die heimische Rallyeelite noch mit einem Zufallstreffer, bei Sieg Nummer zwei im Kärntner Lavanttal wurde es dann schon recht still bei den Mitbewerbern, und nach Sieg Nummer drei bei der Bosch Rallye in der Steiermark waren die Kollegen nur noch damit beschäftigt, illegale Machenschaften bei DiTech Racing aufzuspüren. Erfolglos natürlich. Es folgten Siege bei der Castrol Rallye und bei der Maribor Rallye und damit bei den Läufen vier und fünf. Nach der Sommerpause stand die Schneebergland Rallye am Programm und auch hier sicherte sich Beppo sofort die Führung. Erst kurz vor Ende der Rallye packte ihn der Übermut, den er mit einem Ausfall auf den letzten Metern teuer bezahlen musste. Die Meisterschaftsentscheidung musste dadurch vertagt werden. Bei Lauf Nummer sieben hieß es daher nur, Punkte zu sammeln, um die Meisterschaftsentscheidung immer noch frühzeitig herbeiführen zu können. Mit “angezogener Handbremse” reichte es für einzelne Bestzeiten und Platz zwei am Schluss. Damit hatte DiTech Racing den Staatsmeistertitel vorzeitig in der Tasche und konnte beim letzten Lauf im Waldviertel völlig entspannt an den Start rollen.

Während sich Beppo also auf eine Revanche für das Jahr 2010 vorbereitete, bekam ich im Waldviertel erstmals auch im Rallyeauto Erfolgsdruck zu spüren. Motiviert durch den Teamerfolg war es mir im Laufe der Saison gelungen, in das Spitzenfeld der Division III der heimischen Meisterschaft vorzudringen. Aus eigener Kraft war es mir zwar nicht mehr möglich, den Titel in der kleinen Klasse einzufahren, doch die Chance war da. Mit maximalem Einsatz gelang es mir, meinen Suzuki heil ins Ziel zu bringen und die Rallye in meiner Klasse zu gewinne, während der Führende in der Meisterschaft etwas weniger Glück hatte und aus dem Rennen fiel. So gelang es mir, einen weiteren Titel für unser Team zu holen und am Ende der Waldviertel Rallye, die Beppo in überlegener Manier gewann, hatte es unser erst zwei Jahre bestehendes DiTech Racing Team auf insgesamt zwei Meistertitel gebracht.

Eigentlich umfasst die Bilanz in Summe 4 Pokale:

  • Rallyestaatsmeister
  • Rallyepokalsieger Division III
  • Innovationspokalsieger
  • Teampokalsieger

Rallye Sport ist für mich die beste Möglichkeit, vom Alltag und damit vom Geschäftsleben abzuschalten. Da hat sogar mein Handy Pause. Meine volle Konzentration ist immer auf die vor mir liegende Strecke gerichtet. Nach knapp zwei Jahren gleich zwei Meistertitel in der Tasche zu haben, macht mich stolz und glücklich. Einmal mehr ist es DiTech damit gelungen, als Kleiner die Großen zu besiegen und damit den Beweis anzutreten, dass sich Fleiß und Ehrgeiz auszahlt, um sowohl im Wirtschaftsleben als auch im Sport den gewünschten Erfolg zu haben. Mit Beppo Harrach habe ich einen Fahrer gefunden, der einerseits meine Philosphie aus der Wirtschaft an der Spitze des heimischen Rallye Sports vertritt und der mir andererseits ein erfolgreicher Lehrer in Sachen Ideallinie war und ist. Ich freue mich auf die Saison 2012, für die wir zwar unsere Außenseiterrolle ablegen müssen, dafür aber ganz bestimmt wieder intensiv vom Mitbewerb gefordert werden. Danke sagen möchte ich an dieser Stelle meiner Frau, die heuer auch an einigen Wochenenden auf mich verzichten musste und der ich durch mein sportliches Engagement noch mehr Arbeit aufgehalst habe. Ohne sie gäbe es kein DiTech und damit auch kein DiTech Racing. Im Prinzip ist sie also auch daran „Schuld“, dass wir uns nicht nur im Business, sondern auch im Sport messen können und da wie dort auf der Gewinnerseite stehen.

Für das nächste Jahr lautet unser Ziel, die beiden Titel zu verteidigen und damit die Erfolgsgeschichte unseres jungen DiTech Racing Teams fortzuschreiben. Der Kampf David gegen Goliath geht damit in die nächste Runde, auch wenn sich Goliath vermutlich noch besser auf den Zweikampf vorbereiten wird, als er das schon bisher getan hat.

Damian Izdebski

 

4 Kommentare
  1. Eva sagt:

    Wirklich eine tolle Leistung! :-) Gratulation zu dem tollen Jahr 2011! und für 2012 natürlich nur das BESTE :-)
    liebe Grüße aus Tirol

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